Das Projekt "Plattdeutsch in der Schule" versucht der besonderen Situation Rechnung zu
tragen, die Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer in der Sek II ostfriesischer Gymnasien
vorfinden: Wenn auch für einige wenige Schüler das Plattdeutsche noch
Alltagssprache ist, so ist der weit überwiegende Teil der 17- bis 20-jährigen
nicht in der Lage oder auch gewillt, niederdeutsch zu sprechen. Die vom Elternhaus und
auch von der Schule häufig vertretene Ansicht, das Plattdeutsche sei ein Hindernis
für den Schulerfolg und das unter Schülern verbreitete Vorurteil, es sei eine
vulgäre Sprache, haben zu einer von Distanz, wenn nicht sogar von Ablehnung
geprägten Einstellung gegenüber unserer Regionalsprache geführt. Diese
Vorbehalte sowie die Tatsache, dass Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen an Gymnasien
in der Regel nicht über fundierte Plattdeutschkenntnisse verfügen, standen
bisher einer Berücksichtigung unserer Regionalsprache im Unterricht im Wege.
Projektunterricht im Sinne eines "Handelnden Lernens" mit kreativ forschenden und
kooperativen Arbeitsformen kann zu einem sukzessiven Vertrautwerden mit unserer
Regionalsprache führen.
Der Aufgabenbereich "Reflexion über Sprache" mit dem Unterrichtsinhalt "Sprache
und ihre Funktion" ermöglicht eine rahmenrichtlinienkonforme Bearbeitung dieses
Themas im 3. Semester (RRL, gymnasiale Oberstufe, S.9/13). Die Schülerinnen und
Schüler entdecken das Plattdeutsche als Realität des Alltags und als
funktionierendes Kommunikationsmittel ihres Erfahrungsbereiches, indem sie plattdeutsche
Familien-, Orts- und Straßennamen analysieren. Sprachsoziologische Untersuchungen -
etwa zur Einschätzung der wirtschaftlichen Bedeutung plattdeutscher Kommunikation
im Geschäftsleben unserer Region oder generell zur Gebrauchs- und Prestigefunktion
einer Regionalsprache- können die für ein Projekt wichtigen Außenkontakte
herstellen.
S.Bikker
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