Fossiles Eichenholz im Kunstunterricht der 11. und 13. Jahrgangsstufe
In den tieferen Lagen der Torfschichten Ostfrieslands findet man häufig Holzreste.
Es handelt sich hierbei um die Reste der Bäume, die beim Wachstum des Moores erstickt wurden und dann im Torf erhalten blieben. Wenn dieses Holz weich ist, sind es die Reste von Erle, Birke, Esche oder Weide, wenn es hart ist, handelt es sich um Kiefer, Eibe oder Eiche. In den meisten Fällen ist es Eichenholz; die Eiche war wohl vor dem Wachstum der Moore der Baum mit der stärksten Verbreitung auf der Ostfriesischen Geest. Während das Splintholz im Torf zersetzt wird, wird das Kernholz stahlhart und nimmt eine dunkelbraune bis schwarze Farbe, ähnlich dem Ebenholz aus den Tropen, an.
Beim Baggern von Gräben, beim Drainage legen oder beim Tiefpflügen kommen
immer wieder bis zu 5000 Jahre alte Eichenstämme oder Wurzelstöcke ans Tageslicht.
Für den Landwirt sind diese "Bungel", wie sie im Plattdeutschen genannt werden, eine Plage. In früheren Zeiten wurde das Holz für Richelpfähle, als Bauholz, manchmal auch für die Möbeltischlerei oder schlicht als Brennholz gebraucht.
Heute interessiert sich kaum einer für dieses Hartholz; meistens liegt es irgendwo
im Graben oder am Wegesrand, bis es verrottet ist. Damit verrottet dann nicht nur
ein wertvoller Rohstoff, sondern auch ein Dokument unserer Naturgeschichte.
Mooreichenholz ist ein Holz mit besonderem Charakter, in dem Wachstum und Zerfall ihre Spuren hinterlassen haben, ein Material mit Struktur und großer Formenvielfalt, ideal für die künstlerische Gestaltung.
Als vor einiger Zeit in der Nähe unserer Schule im Bereich des Dunumer Brook
zahlreich gut erhaltene fossile Eichenstämme und Wurzeln zu finden waren,
holten wir kurz entschlossen mit Unterstützung des Abiturienten Torsten Eden mit väterlichem Traktor und Anhänger eine Wagenladung Mooreichen auf das Schulgelände.
Dort trockneten die "Bungel" in einem Lagerschuppen.
Bereits im folgenden Sommer wurden die ersten Mooreichen von einer Schüler-
gruppe eines 13. Jahrgangs im Rahmen eines Kunstkurses "Plastik, Skulptur, Objekt" verarbeitet. Nachdem wir uns im Unterricht über einen längeren Zeitraum mit "Land-Art" beschäftigt hatten, planten und realisierten die Schülerinnen und Schüler ein Projekt mit dem Titel "Eichenhain". Zusammen mit drei Basaltsteinen wurden zwei Eichenstämme und ein großer Wurzelteller auf einer Wiese im Schulgelände installiert; hinzu kamen 50 Jungeichen, die die Arbeitsgemeinschaft"Schule und Wald" gestiftet hatte. Durch das geringe Alter der gepflanzten Bäume wird sich allerdings der angestrebte Gesamteindruck erst in einigen Jahren einstellen. Im darauffolgenden Schuljahr kamen die übrigen Mooreichen in Bearbeitung. 20 Schülerinnen und Schüler sahen sich vor die Aufgabe gestellt, sich mit völlig verdreckten und sperrigen Wurzelstöcken künstlerisch auseinanderzusetzen. Die Aufgabe wurde bewußt offen formuliert, um den Kursteilnehmern einen breiten Gestaltungsraum zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler suchten sich allein oder zu zweit eine Mooreichenwurzel aus unserem Fundus und erstellten zunächst ein Bearbeitungskonzept. Den ursprünglichen Plan, das Eichenholz gegenständlich zu bearbeiten, ließen sie bald fallen, nachdem das Holz grob gereinigt war und ausdrucksstarke und bizarre Formen zum Vorschein gekommen waren. Jetzt ging der Vorkurs dazu über, mit der Säge einzelne Holzteile abzutrennen und mit Drahtbürsten und Holzbearbeitungswerkzeugen Strukturen hervorzuheben und Formen zu betonen. Mit Kreativität und Sensibilität schufen die Schülerinnen und Schüler Skulpturen mit stimmigen Proportionen und hoher Ausdruckskraft. Abschließend wurden die Skulpturen mit Leinöl versiegelt und auf selbstgebauten Sockeln befestigt. Am Ende des Arbeitsprozesses hatten die Schülerinnen und Schüler festgestellt, dass die Einfachheit, wie Constantin Brancusi sagt, zwar kein Ziel der Kunst ist, "aber man gelangt zu ihr, ohne es zu wollen, indem man sich dem Wesentlichen nähert".
Eine von der Stadt Esens ermöglichte und vom Museum "Leben am Meer" unterstützte Ausstellung bot dem Vorkurs die Gelegenheit, die Skulpturen einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.
Falk Teichert & Axel Heinze
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