Es lässt das Herz eines jeden Deutschlehrers höher schlagen, zusammen mit seinen
Schülern im Leistungskurs Goethes Faust interpretieren zu dürfen. Aber, um ehrlich zu
sein, meistens nur das des betreffenden Lehrers, und nicht unbedingt das seiner Schüler.
Szenen aus Faust aber selbst darzustellen, wirkt sich unweigerlich auch auf die Lernenden
motivierend aus. Es geht darum, in die "private emotionale Welt eines Individuums oder in
die ästhetische Struktur eines Objektes" (T. Lipps: Das Wissen von den Ideen. In:
Psychologische Untersuchungen I, S.694) einzudringen. "Die Bilderflut der Medienindustrie
(...) schiebt sich immer mehr vor unsere unmittelbaren Erlebnisse (...) unsere eigenen
Erlebnisse erscheinen dagegen banal" ( I. Scheller: Wir machen unsere Inszenierungen
selber I, S.24, Oldenburg 1989) Alleinige Rezeption via Fernsehen (fertiger Film) oder via
Unterricht (häufig Lehrervortrag) kann und darf nicht mehr die einzige Vermittlung unseres
Kulturgutes sein, sondern, es den Schülern selbst erfahrbar zu machen, das ist die
Herausforderung für eine Exposchule, die Optionen für das nächste Jahrtausend entwickeln
möchte.
Der Leistungskurs Deutsch setzt die Forderung Fausts, sich nach jahrelangem Studium
"grauer Theorie" wieder in die Lage zu versetzten, selbst etwas zu erleben, in die Tat um.
Er fährt Anfang Dezember für eine Woche in die Bavaria Studios München, um die von den
Schülern z.T. modern verarbeiteten Szenen aus Faust speziell zu diesem Projekt
eigenständig zu spielen. Aber nicht nur das. Der LK kehrt Rezeption in Produktion um. Die
Schüler werden unter professioneller Anleitung vor Fernsehkameras stehen und nach den
Dreharbeiten über ein Produkt verfügen.
Finanzielle Unterstützungen sind bisher von der Sparkasse Esens, der Firma Hedlefs, dem
Förderverein der Schule sowie dem Elternrat zugesagt.